Vote & Voices

Marion Kreißler & Martin Conrath

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Vote & Voices

Unsere Installation "Vote & Voices" knüpft an der Arbeit "Suitable Work" von 2000 an, in der wir uns mit Arbeitskleidung auseinander gesetzt haben. Der Uniformisierung und Anonymisierung von arbeitenden Menschen durch vereinheitlichte Kleidung hatten wir deren Kommentare und die kritischer WissenschaftlerInnen und TheoretikerInnen entgegen gestellt; Statements, die sich mit der Arbeitswelt, ihrer Vermarktung und der Neoliberalisierung schlechthin befassen. Diese Kommentare waren als gestalteter Textbeitrag auf der entsprechenden Kleidung aufgebracht.

Die Tatsache, dass SchülerInnen und StudentInnen in Japan üblicherweise uniformiert sind, sowie die Tatsache, dass die Ausstellung auf dem Campus und in den Räumen einer ehemaligen Universität stattfindet, gab uns Anlass, unsere Untersuchungen und Beobachtungen zur Verwendung von Uniformen fortzuschreiben. Dabei ist interessant, dass die klassische Form der japanischen Schuluniform eine Anleihe kaiserlich-deutscher Marineuniformen (für Kinder) von etwa 1890 darstellt. Bei der Hinterfragung dieser Tradition schien es uns angebracht, nach der Repräsentationsform zu forschen, durch sich der heutige Gebrauch der Schuluniform rechtfertigt: immer noch die der herrschenden Ordnung! Also repräsentieren uniformierte SchülerInnen paradoxerweise mittlerweile die Demokratie! Deren Legitimation findet indes bei Wahlen statt und fast zeitgleich wurden aus vergleichbarem Anlass sowohl in Japan als auch in Deutschland Parlament und Regierung neu gewählt. Wahlparolen geben dabei die Ziele, Versprechungen und Konzepte derer wieder, die die Macht erringen wollen und die Demokratie fortsetzen. Aus diesem Grund und mit der Feststellung, dass Schuluniformen eben auch Arbeitskleider darstellen, tragen die von uns bearbeiteten nun die aktuellen Wahlslogans der japanischen und der deutschen Parteien, im Wissen, dass ein derart medialisierter und präsenter Machtwille in nicht allzu kurzer Zeit der dann aktuellen Politik zum Prüfstein werden wird. Den SchülerInnen also die Macht! Ergänzt wurde dieses Material durch Icons von Parteien und Firmen, solchen aus Comics und Mangas sowie wissenschaftlichen Flowcharts zu vergleichbaren Themen.

Im Oktober/November 2008 haben wir die Installation anlässlich der Ausstellung „#1 oqbo-Erzeugermarkt“ in Berlin ergänzt und mit Basecaps, beschriftet mit Parolen und Symbolen aus dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008, sowie kontextuell dazu passenden Slogans aus der deutschen Wahlwerbung bis 2008 erweitert. Die retrospektive Überprüfung der drei Jahre alten und bereits verwendeten Slogans ergab dabei keinen nachhaltigen Effekt: sie waren noch nie mit Inhalt gefüllt. Der im amerikanischen Wahlkampf 2008 zentrale Begriff „Change“, Wechsel oder Wende, taucht bereits seit 1994 in deutschen Wahlkämpfen in unterschiedlichen politischen Lagern immer wieder auf.

Summary (Translation by Christoph Platz):
Marion Kreissler’s and Martin Conrath’s first conceptual artwork for Japan reacts to a Japanese standard and to the locality of D-Haus wich is a former university; Japanese school uniforms are known worldwide, but not everyone might be familiar with the origin of the cut of these uniforms – it’s based on German imperial marine uniforms of the late 19th century.
This had the artists asking for the legitimation of uniforms nowadays – what do they represent today? It’s the reigning social and political order of today – democracy. Democracy is constituted by elections and both Germany and Japan recently held extraordinary elections for almost the same reasons. During campaigns paroles represent promises and concepts of those wanting to gain power and hereby to continue democracy.
For „Vote and Voices“ the arists chose slogans from both national campaigns and adjusted them – slightly rendered- as a kind of decoration to school uniforms. The will for power represented on clothing of juveniles so insinuates a future benchmark for politics - Power to the students!

supported by: readycut, Berlin 2005

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