Comics (seit 2011)

Martin Conrath

Den Entschluss, Comics zu zeichnen, habe ich im Frühjahr 2011 im Zusammenhang mit der Frage gefasst, ob Gegenstände oder Kombinationen von Gegenständen allein für sich komisch sein könnten. Immerhin bräuchte es in der Folge keine krakelig gezeichneten, zweibeinigen Karikaturen und keine Knollnasen mehr, niemanden der blöde schielte und niemanden, der oder die gut oder böse sein sollte. Klar war aber schnell, dass solche Ensembles, wären sie je komisch, doch auf Hinterlassenschaften komisch gestrickter Figuren beruhen würden aber beruhigenderweise war auch klar, dass diese dann abwesend sein durften: sie brauchten keine Form.
Also habe ich mich daran gemacht, einen Fundus einfacher „existenzieller“ Dinge und Räume zu skizzieren und diese durch Kombinationen, Variationen und Permutationen in Beziehungen zu setzen. Hätte ich damit dann eine geeignete Szene mit passendem Text inszeniert, wäre alles Folgende ableitbar und wenigstens bedingt logisch. Wenn ich mich bei der Entwicklung meines zeichnerisch und zeichenhaftem Vokabulars zudem beschränken würde, könnten sich Beziehungen ergeben, die – obwohl kombinatorisch überschaubar – logisch in einem falschen Winkel treffen.
Einen Kuschelfaktor gab es dabei nicht. Was als Unfug auftaucht, wird als solcher abgearbeitet. Manchmal habe ich mich allerdings gefragt, ob ich verstehe, was gerade passiert. Ein „Aber“ gibt es aber bei Unfug nicht.
Ergänzt werden solche zeichnerischen Bildkombinationen durch eigene sowie öffentlich frei zugängliche Fotos und durch jeweils philosophisch-historische Fussnoten im Kontext.
Auf diese Art und Weise sind bereits der dreibändige Zyklus „Handwerker“ mit den Bänden „Handwerkers Rechnungen #fertig“ (172 Seiten, 2016), „Handwerkers Rechnungen Paralipomena“ (52 Seiten, 2017). „Handwerkers Rechnungen Parerga“ (52 Seiten, 2017) sowie mit „Diptera, Brachycera“ (148 Seiten, 2019) ein Band über Fliegen entstanden. Ein fünfter – der sich mit den Vergleichbarkeiten von aktueller Politik mit dem Film „Casablanca“, dem US-staatstragenden „Weißen Haus“ sowie einem ausstellungstechnisch relevanten „White Cube“ befasst, ist in Arbeit. Sein Titel wird sein: „Im Weissen Haus“. Die bereits publizierten Bände schienen im Selbstverlag in kleiner Auflage (Hardcover, DinA4-hoch).
Mein künstlerisches Vorgehen im Comic bezeichne ich gerne als „pragmatischen Surrealismus“.